Ein Gutachten muss halten, auch wenn es angezweifelt wird und ein Gegengutachten zu anderen Ergebnissen kommt. Genau das ist hier der Fall: Eine Versicherung stellt nach einem Maschinenbruch Überalterung der Bauteile als Ursache fest, das betroffene Unternehmen widerspricht und lässt ein Gegengutachten erstellen.
Versagen von Bauteilen kann viele Ursachen haben. Hat es aber kein unmittelbares Schadensereignis gegeben, ist bei einer Anlage, die bereits mehr als 3 Dekaden im Einsatz ist, die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass es sich um Materialermüdung durch Überalterung handelt, nicht um einen plötzlichen äußeren Anlass.
Inhaltsverzeichnis
Ausgangssituation
Bei einer 5-stufigen Druckanlage wird Druckmaschine 1 und Druckmaschine 3 durch ein Schadensereignis erheblich zerstört. Die Versicherung lässt ein Schadensgutachten erstellen; dabei stellt sich heraus, dass Graugussteile durch Überalterung gebrochen sind und die gebrochenen Teile zahlreiche Folgeschäden verursacht hat.
Das Unternehmen will das Gutachten prüfen lassen, denn es sieht keinen Zusammenhang zwischen dem angeführten Schadensgrund und dem tatsächlichen Maschinenbruch und glaubt vielmehr, dass eine äußere Krafteinwirkung durch Papierstau den Schaden verursacht hat.
Der Versicherungsmakler lässt die gebrochenen Teile in einem Labor prüfen. Das Labor gibt keinen Schadensgrund an; dennoch kommt es zu einer Diskussion zwischen Makler und Versicherung. Dank KI kann aber eine Analyse des Bruchbildes an mehreren Teilen vorgenommen werden. Die KI gibt „Alterung“ als wahrscheinliche Ursache an.
Ergebnis
Versagen von Bauteilen kann viele Ursachen haben. Wenn es aber kein unmittelbares Schadensereignis gegeben hat, ist die Wahrscheinlichkeit bei einer Anlage, die bereits mehr als 3 Dekaden im Einsatz ist, sehr groß, dass es sich dabei um Materialermüdung durch Überalterung handeln könnte.
Es ist jedoch schwer herauszufinden, was die eigentliche Schadensursache war, denn das gebrochene Lager hat sich im Getriebe verfangen und massive Folgeschäden ausgelöst. Das im Gegengutachten angenommene Schadensereignis hat es laut Aussage der Maschinenbediener nicht gegeben.
Stellungnahme zum Schadensereignis – Ergänzende Bewertung der Bruchursache
Warum ein Gegengutachten nicht einfach so gelten darf
Ein Gutachten muss halten, auch wenn es angezweifelt wird und ein Gegengutachten zu anderen Ergebnissen kommt. Die Frage, die dann unbedingt zu klären ist: welche Annahmen richtig waren, was zu welchen Erkenntnissen geführt hat. Diese Aufklärung ist dann zwingend durchzuführen, hat es jedoch nie gegeben. In diesem Gegengutachten wurden das eigentliche schadensauslösende Bauteil mit allen weiteren schadhaften Bauteilen gleichgestellt und für alle Bauteile wurde Gewaltbruch konstatiert.
Was die Bruchbilder zeigen
Im Zusammenhang mit dem Schadensereignis an der Druckmaschine wurde bereits im Rahmen der sachverständigen Untersuchung festgestellt, dass die vorliegenden Bruchbilder an mehreren Gussteilen typische Merkmale eines Sprödbruches aufweisen. Die Untersuchungsergebnisse zeigten dabei Bruchverläufe entlang der Graphitlamellen sowie entlang der Grenzflächen zwischen Graphit und Eisenmatrix, wie sie für gealterte Graugussbauteile charakteristisch sein können.
Im Verlauf der fachlichen Auseinandersetzung wurde wiederholt darauf hingewiesen, dass bei Grauguss ein Ermüdungsversagen nicht zwingend die klassischen Merkmale eines Schwingbruches aufweisen muss. Vielmehr kann eine langjährige Materialalterung zu einer fortschreitenden Schwächung der Bindung zwischen Graphitlamellen und Metallmatrix führen, wodurch die Bauteile ihre ursprüngliche Zähigkeit verlieren und schließlich spröde versagen.
Die ergänzende KI-gestützte Analyse
Da die ursprünglichen Untersuchungen keine eindeutige Feststellung zum Alterungszustand der Bruchflächen ermöglichten, wurde ergänzend eine nachträgliche digitale Analyse der vorhandenen Bruchflächenaufnahmen durchgeführt. Hierbei kamen moderne KI-gestützte Auswertungsverfahren zur Anwendung, welche auf die Erkennung charakteristischer Bruchmuster und materialtechnischer Schadensindikatoren spezialisiert sind.
Was die Analyse ergeben hat
Die Ergebnisse dieser zusätzlichen Analyse zeigen mit hoher Wahrscheinlichkeit, dass die untersuchten Bruchflächen Merkmale eines alterungsbedingten Ermüdungsbruches beziehungsweise eines durch langjährige Werkstoffdegradation hervorgerufenen Sprödbruches aufweisen. Insbesondere wurden Strukturen erkannt, die auf eine fortschreitende Materialschwächung über einen längeren Zeitraum und nicht auf ein ausschließlich plötzliches, einmaliges Überlastungsereignis hindeuten.
Diese nachträgliche KI-gestützte Bewertung stellt keine eigenständige Beweisführung dar, ergänzt jedoch die bereits vorliegenden werkstoffkundlichen Erkenntnisse und stützt die Annahme, dass eine Überalterung der Graugussbauteile wesentlich zur Schadensentstehung beigetragen haben kann. Die Analyse liefert damit ein weiteres Indiz dafür, dass das Schadensereignis zumindest teilweise auf ein fortgeschrittenes alterungsbedingtes Materialversagen zurückzuführen ist.
Fazit der Stellungnahme
Zusammenfassend ergibt sich aus der Gesamtheit der vorliegenden Befunde, der dokumentierten Bruchbilder sowie der ergänzenden KI-Analyse, dass ein alterungsbedingter Ermüdungsbruch der Gussteile als wahrscheinliche Schadensursache anzusehen ist. Die KI-Auswertung bestätigt diese Einschätzung mit hoher Wahrscheinlichkeit und unterstützt die bereits im Gutachten vertretene Auffassung eines materialbedingten Sprödbruchversagens infolge langjähriger Beanspruchung und Werkstoffalterung.
Häufige Fragen aus der Praxis
Was mich Unternehmer und Betriebsleiter nach der Lektüre solcher Fälle am häufigsten fragen:
Kann ein Gegengutachten ein bestehendes Schadensgutachten widerlegen?
Ein Gegengutachten kann ein bestehendes Gutachten nur dann erschüttern, wenn die einzelnen Bauteile differenziert betrachtet werden. Werden, wie in diesem Fall, das schadensauslösende Bauteil und alle weiteren schadhaften Bauteile gleichgestellt und pauschal Gewaltbruch angenommen, bleibt die Aussagekraft begrenzt.
Welche Rolle spielt das Alter einer Anlage bei der Klärung der Schadensursache?
Hat es kein unmittelbares Schadensereignis gegeben, ist bei einer Anlage, die bereits mehr als 3 Dekaden im Einsatz ist, die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass es sich um Materialermüdung durch Überalterung handelt.
Was leistet eine KI-gestützte Bruchbildanalyse, was die klassische Begutachtung nicht leistet?
Konnten die ursprünglichen Untersuchungen keine eindeutige Feststellung zum Alterungszustand der Bruchflächen treffen, kann eine ergänzende digitale Analyse der Bruchflächenaufnahmen mit KI-gestützten Auswertungsverfahren charakteristische Bruchmuster und materialtechnische Schadensindikatoren erkennen. Das ist keine eigenständige Beweisführung, ergänzt aber die werkstoffkundlichen Erkenntnisse um ein weiteres Indiz.
Was tun, wenn Makler und Versicherung sich über die Schadensursache nicht einig werden?
Bringt eine Laboruntersuchung keinen eindeutigen Schadensgrund, lohnt sich eine zusätzliche technische Analyse der Bruchbilder, bevor sich die Diskussion zwischen den Parteien weiterzieht. Im geschilderten Fall führte erst eine ergänzende KI-gestützte Analyse der Bruchbilder zu einer belastbaren Einschätzung: Sie bestätigte mit hoher Wahrscheinlichkeit einen alterungsbedingten Ermüdungsbruch und stützte damit die bereits im Gutachten vertretene Auffassung.





